Procurement | Supply Chain Management

Neben vielen anderen Aspekten und Prozessen im Procurement | Supply Chain Management, die am Ende zum gewünschten Ziel führen, sollten Soft-Facts nie vernachlässigt werden!

Beschaffungsprozesse steuern den gesamten Herstellungsprozess und sind damit entscheidend, ob kostensparend und ohne Ausfallzeiten produziert werden kann.

Wir hatten bereits mehrfach die Aufgabe Empfehlungen zum
Procurement | Supply Chain Management großer etablierter Beratungsunternehmen, noch einmal auf ihre Machbarkeit hin zu überprüfen.

Ein Hersteller von Gipsen und Mörtel betreibt eine große Menge regional verteilter Werke in denen das Material hergestellt und mit transportablen Silos an die Baustellen gebracht wird.

Procurement by Nick Youngson CC BY-SA 3.0 Alpha Stock Images

In jedem Werk sind mindestens 2 Disponenten für die on-time Produktion und Lieferung angestellt. Der gesamte Prozess wie und wann und mit welchen Mitteln dies passiert ist undokumentiert und in jeder Niederlassung individuell.

Als ERP System wird SAP eingesetzt. Die Lösung basiert auf einer Variante für den Video-Verleih. Es gibt also nur „Stück Silo“, Befüllung und Abverkauf aus der Füllung können nur in einem Textfeld erfasst werden. Das Produkt wird im Feld Titel geführt. …man hatte sich allseits damit abgefunden.

Die Empfehlung einer führenden deutschen Unternehmensberatung lautete:

  • Zentralisierung der Auftragssteuerung am Firmensitzt
  • Entwicklung eines einheitlichen Order to Delivery Prozess als verpflichtenden Standard
  • Einrichten eines Customer Care Centers für die Disposition
  • Produktionssteuerung direkt aus dem ERP System

Unsere Überprüfung ergab:

  • Alle Standorte haben zu wenig Silos um alle Bestellungen abzudecken
  • Die Produktion unterschiedlicher Produkte erzeugt beim Produktwechsel sehr hohe, nicht effektive, Rüstzeiten
  • Die Disponenten vor Ort, kommen aus der verarbeitenden Branche!
  • Die Disponenten kennen ihre Kunden alle persönlich!

Da kommt es vor, dass der Disponent den Kunden anruft, bei dem ein Silo steht, der noch nicht leer ist, aber gebraucht wird. Er bittet den Kunden den Silo so abzugeben, er bekommt in x Tagen einen neuen. Der Silo kann mit dem vorhandenen Inhalt an eine andere Baustelle gebracht werden.

  • Es muss nichts vernichtet werden!
  • 2 Kunden werden mit einem Silo bedient.
  • Die jeweils in Produktion befindliche Ware, wird abgegeben, ohne ständig das Produkt wechseln zu müssen.
  • Die persönliche Ebene ist in der Bau-Branche ein wichtiger Faktor. Einige Kollegen die zum Mitbewerb gewechselt sind, haben immer „ihre“ Kunden mitgenommen.

Im Summary ergab sich folgendes Bild:

  • Die Zentralisierung birgt eine Gefahr für den gesamten Geschäftsbetrieb
  • Das Einsparungspotential an den Standorten steht in keinem Verhältnis zu den absehbaren Verlusten durch Abwanderung zum Mitbewerb.
  • Die individuelle Behandlung der Bestellungen vor Ort ist wesentlich effizienter, als eine zentrale Steuerung ohne Einblick in die aktuellen Situationen.
  • Die fehlende Transparenz ist schon allein dadurch zu beseitigen, dass das ERP System an die Geschäftsprozesse angepasst wird.